Better Chemistry for a Sustainable Future.

Auslandssemester an der University of Alabama in Tuscaloosa.

 

test

 

Das 2. Semester meines Masterstudiums in biomedizinischer Chemie habe ich als ein Auslands- und Forschungssemester an der University of Alabama in Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama der Vereinigten Staaten von Amerika verbracht. Ich habe dort über einen Zeitraum von sechs Monaten ein Forschungsprojekt in der Arbeitsgruppe von Prof. Arduengo im Department of Chemisty bearbeitet. Ein erster Kontakt zu Prof. Arduengo wurde über Prof. Till Opatz an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz hergestellt. Der Austausch nach Tuscaloosa ist eines der Auslandsangebote, das durch den Fachbereich für Chemie an der Johannes Gutenberg-Universität angeboten wird.

Abbildung 1: Das Labor der Arduengo Group (links, oben); Shelby Hall - Department of Chemistry (rechts, oben); St. Louis (links, unten); Football in Tuscaloosa (rechts, unten).

Abbildung 1: Das Labor der Arduengo Group (links, oben); Shelby Hall - Department of Chemistry (rechts, oben); St. Louis (links, unten); Football in Tuscaloosa (rechts, unten).

Nachdem Prof. Arduengo mir den Aufenthalt in seiner Gruppe von April – Oktober in Tuscaloosa zugesagt hatte, waren anschließend einige Vorbereitungen vor Abreise nach Tuscaloosa zu erledigen. Um in die USA einzureisen, wird ein Visum benötigt. Dieses beantragt der Professor der Gastuniveristät für den Studenten. Sind alle Formulare ausgefüllt werden dem Studenten die Visa Bewerbungspapiere per Post zugesandt und das Visum wird bei einem US Konsulat, z.B. in Frankfurt, beantragt.

Nach Beantragung des Visums erfolgte die Vorbereitung für den Aufenthalt in Tuscaloosa. Es musste dabei an allerlei Dinge von „A“, wie Auslandskrankenversichterung bis „Z“, wie Zahnbürste gedacht werden. Besonders wichtig war im Vorfeld die Organisation einer Unterklunft in Tuscaloosa. Die University of Alabama besitzt rund um den Campus zahlreiche Studentenwohnheime, die Einzel- und auch WG-Zimmer anbieten. Ein Zimmer dort zu bekommen, erwies sich allerdings als sehr schwierig.

Die Zimmer dort werden nur für ein komplettes Semester vermietet. Da die Semesterzeiten in den USA andere als in Deutschland sind, ist das Mieten eines Zimmers nach deutschen Semesterzeiten nicht möglich. Die beste Chance ein Zimmer auf dem Campus zu erhalten ist über den Kontakt in einer der zahlreichen Facebook-gruppen zu Studenten, die ihr Zimmer zwischenvermieten. Daneben gibt es in Tuscaloosa mehrere Apartment-komplexe, die Mietwohnungen anbieten. Zu beachten ist, dass diese Wohnungen in der Regel nicht möbliert sind. In meinem Falle habe ich eine Unterkunft bei Regal-Pointe Apartments in Tuscaloosa finden können.

Diese bieten Mietverträge auch für kurze Zeiträume (6 Monate) an und haben zusätzlich die Option das Apartment zu möblieren. Für Studenten, die zukünftig nach Tuscaloosa reisen, kann ich die Unterkunft bei Regal-Pointe Apartments auf jeden Fall empfehlen. Die Apartments sind sehr schön und der ganze Komplex ist sehr gepflegt. Sehr schön war auch, dass die Mitarbeiter im Apartment Office auch bei alltäglichen Problemen hilfsbereit waren, z.B. wo ist der nächste Supermarkt, Autohändler, Führerscheinstelle, etc.?

Little River Canyon National Park

Abbildung 2: Little River Canyon National Park im Bundesstaat Georgia.

Nach Ankunft in Tuscaloosa habe ich mich bei „Capstone International Servies“ gemeldet, um durch Charter Morris, der für die ausländischen Studierenden zuständig ist, willkommen geheißen zu werden und eine kurze Einführung in die Universität und das Leben in Tuscaloosa zu erhalten. Auf der Tagesordnung nach meiner Ankunft standen: die Beantragung eines Studentenausweises Accounts für Email, Wlan, etc. Beides war an der University of Alabama ohne großartigen „Papierkrieg“ zu erledigen und sehr einfach. Ein weiterer wichtiger Punkt sollte zügig nach Ankunft die Beantragung eines Führerscheins sein. Der Ablauf und benötigte Dokumente kann man zuvor bei Charter Morris erfragen. Für das Beantragen des Führerscheins sollte unbedingt Zeit eingeplant werden, da Wartezeiten beim DMV recht lange sind. Der Führerschein ist neben der Nutzung zum Autofahren in den USA auch als Personalausweis gebräuchlich. So muss man den Reisepass nicht ständig mit sich führen und kann sich ausweisen.

Für den Aufenthalt in Tuscaloosa und in den USA generell zeigt sich ein Auto als unverzichtbares Verkehrsmittel. Studenten, die eine Wohnung auf dem Campus gefunden haben, können die Universität und Gegend um den Campus über zahlreiche Fahrradwege zwar gut erreichen, für alles darüber hinaus ist ein Auto jedoch dringend zu empfehlen. Der Verkehr in Tuscaloosa ist nicht auf Fahrradfahrer eingestellt und die Strecken innerhalb Tuscaloosa sind häufig lang und nur in Ausnahmefällen angenehm mit dem Fahrrad zu bewältigen. In Tuscaloosa selbst gibt es eine große Zahl von Händlern, die Gebrauchtwagen verkaufen. Hierbei ist wirklich zu beachten, dass der jeweilige Händler das Auto verkauft „as is“, es keinerlei Garantie gibt und mündliche Versprechen des Händlers, wie „das Auto is ok, hat keinerlei Fehler, etc..“ nicht verbindlich sind. Ein gewisses Grundwissen worauf beim Autokauf zu achten ist, ist unbedingt zu empfehlen!

St. Louis Baseball Stadion.

Abbildung 3: Baseball in St. Louis.

Nachdem nach meiner Ankunft alle Formalitäten erledigt waren, konnte ich meinen Forschungsaufenthalt in der Arbeitsgruppe von Prof. Arduengo beginnen. Die Gruppe ist Teil des Department of Chemistry und liegt in dem Gebäude „Shelby Hall“ zentral auf dem Campus. Die Gruppe hatte zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes drei Doktoranden und einen Post-Doc. Prof. Arduengo ist bekannt durch seine Entdeckung der Klasse von N-Heterozyklischen-Carbenen. 1991 publizierte er die Synthese und Charakterisierung des 1,3-Diadamantyl-imidazol-2-yliden, heute als „Arduengo Carben“ bekannten Verbindung.

Abbildung 2: Struktur von 1,3-Diadamantyl-imidazol-2-yliden, das Arduengo Carben.

Abbildung 4: Struktur von 1,3-Diadamantyl-imidazol-2-yliden, das Arduengo Carben.

Auch heute noch beschäftigt sich die Gruppe um Prof. Arduengo mit der Chemie von Carbenen. Nach meiner Ankunft in der Gruppe wurde mir in meinem ersten „Groupmeeting“ mein Forschungsprojekt für die nächsten sechs Monate präsentiert. Gearbeitet habe ich an dem chemischen Abbau von Kohlenhydraten in kleinere Moleküle. Die Grundidee des Projektes war Glucose oder auch langkettige Kohlenhydrate, wie Stärke oder Cellulose, in C-1 Körper wie z.B. Formaldehyd abzubauen. Formaldehyd kann anschließend zu einem Kunststoff polymerisiert werden.

Abbildung 3: Schematische Darstellung der Grundidee zum Abbau von Kohlenhydraten durch NHC-Katalyse.

Abbildung 5: Schematische Darstellung der Grundidee zum Abbau von Kohlenhydraten durch NHC-Katalyse.

Eine Einweisung in das Labor und die Räumlichkeiten der Uni erfolgte zu Beginn meines Aufenthaltes durch den Post-Doc der Gruppe. Einmal wöchentlich trifft sich die Gruppe in einem Seminarraum zu einem Meeting und jedes Mitglied der Gruppe berichtet von seiner Arbeit und der durchgeführten Chemie der letzten Woche. Dabei gibt Prof. Arduengo Ratschläge, Ideen oder Kritik. So besteht in jedem Falle einmal wöchentlich Austausch zwischen den Studenten und dem Professor.

Neben meiner Arbeit an dem Forschungsprojekt gab es in und um Alabama viele Dinge zu entdecken. Die Universität selbst ist im ganzen Land durch ihr Footballteam „Crimson Tide“ bekannt. Auf dem Campus findet sich das Bryant-Denny Stadion, eines der größten College Football Stadien in ganz USA. Die Football Season beginnt im September und am vielen Samstagen während der Season kann man Heimspiele des Footballteams im Stadion bejubeln. Im Downtown Bereich der Stadt gibt es zahlreiche Restaurants in denen die ganze Palette an nationaler und internationaler Küche geboten wird. Daneben gibt es Downtown eine Reihe von Bars in denen sich abends Studenten zum Billard und Dartspielen treffen. Um Tuscaloosa gibt es zahlreiche Seen und Wanderwege in der Natur. So bietet es sich an sich an der Universität ein Kanu zu leihen und die Seen- und Flußlandschaft zu erforschen. Daneben gibt es für begeisterte Fahrradfahrer zahlreiche Mountainbiking Strecken um Tuscaloosa.

Venice Canals Walkway in Los Angeles.

Abbildung 6: Venice Canals Walkway in Los Angeles.

Mit dem Auto sind innerhalb Alabamas und in den umliegenden Staaten viele Städte und Nationalparks als Tagesausflug zu erreichen. Sehr empfehlen kann ich den Little River Canyon Park. Der Park ist ein komplett bewaldeter Canyon im Bundesstaat Georgia durch den sich ein recht felsiger Fluss schlängelt. Der Park selbst kann komplett mit dem Auto befahren werden und es gibt verschiedene „Points of Interest“ an denen man einen fantastischen Blick über den Canyon hat. Von diesen Punkten aus führen Wanderwege in die Wälder rund um den Park. Innerhalb Georgias ist weiterhin Atlanta sehr sehenswert. Die Gegend um Downtown bietet neben der Heimat von Coca-Cola und dem Coca-Cola Museum das Atlanta Aquarium, das eine Zeitlang das größte der Welt war. Dort lassen sich in einem riesigen Becken unter anderem vier Zwergwale und einer Mantarochen bestaunen. Im Bundestaat Tennessee liegt die Hauptstadt der Countrymusik: Nashville. Hier kann man im Herzen der Stadt, „The Strip“, in zahlreichen Restaurants und Bars aufstrebende Countrymusiker live erleben und über den Countrymusik Walk-of-Fame laufen. Im Bundesstaat Louisiana  liegt vier Autostunden von Tuscaloosa entfernt New Orleans. Ebenfalls einen Besuch wert lassen sich dort originalgetreue Schaufelraddampfer auf dem Mississippi bestaunen. Daneben kann man im sogenannten French Quarter noch unverfälschte Jazz Musik hautnah erleben.

Nach Abschluss des Praktikums, lässt sich per Auto das Land selbst sehr gut bereisen. Die Interstates (Autobahn) in den USA sind sehr gut ausgebaut und es lassen sich insbesondere die Städte an der Ostküste der USA gut mit dem Auto bereisen. Für Städte an der Westküste, wie Los Angeles etc., bucht man am besten einen Inlandsflug. Die Flugverbindungen innerhalb der USA sind sehr gut ausgebaut und häufig preisgünstig.

Great-Smokey-Mountains-Nationalpark

Abbildung 7: Fluss im Great Smokey Mountains Nationalpark.

Die Studenten mit denen ich am Institut für Chemie Kontakt hatte waren durchweg sehr freundlich. Für mein Empfinden sogar deutlich kontaktfreudiger und interessierter an „neuen Studenten“ am Institut, als ich es aus Deutschland kenne. So knüpft man wirklich sehr schnell Kontakte und schließt Freundschaften. Darauf sollte man sich auch tatsächlich einlassen und es nutzen, denn es gibt sehr viel zu entdecken und erleben. Das ein oder andere amerikanische BBQ, gemeinsam die Football Spiele im Fernsehen oder im Stadion bejubeln sowie traditionelles „Pumpkin carving“ zu Halloween sollte man sich nicht entgehen lassen.

Insgesamt hat sich für mich der Aufenthalt in Tuscaloosa sehr gelohnt. Ich habe einen sehr großen Teil der USA während der sechs Montage bereisen können und viele neue Freundschaften mit dortigen Studenten geschlossen. Meine Kenntnisse der englischen Sprache haben sich auf fachlicher sowie auf alltäglicher Ebene deutlich verbessert. Die University of Alabama bietet exzellente Betreuung für ausländische Studenten und nimmt einem einen Großteil der Papier- und Verwaltungsarbeit ab. Prof. Arduengo war während meines gesamten Aufenthaltes äußerst hilfsbereit und hatte immer ein offenes Ohr.

Mein Forschungsprojekt konnte ich innerhalb des Zeitrahmens leider nicht vollständig abschließen. Dennoch habe ich aus chemischer Sicht viele neue Dinge dazugelernt. Weiterhin ist für den Aufenthalt in Tuscaloosa dringend ein Stipendium zu empfehlen. Die Lebenshaltungskosten in den USA, für z.B. Miete, Lebensmittel, sind im Vergleich zu Deutschland deutlich höher und sollten bei der Planung für den Auslandsaufenthalt berücksichtigt werden.

Strand in Panama City Beach im Bundesstaat Georgia.

Abbildung 8: Strand in Panama City Beach im Bundesstaat Georgia.